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Margarine, Kosmetika, Putzmittel, Eis und eine Beimischung in Biotreibstoff: Palmöl ist vielfältig einsetzbar und mittlerweile fixer Bestandteil im Alltag. Obwohl die Preise für Palmöl im vergangenen Jahr gefallen waren, läuft das Geschäft mit Palmöl. Weltweit werden jährlich mehr als 43 Millionen Tonnen Palmöl produziert.

 

Europa ist nach China und Indien der drittgrößte Importeur. Gemeinsam mit Malaysia liefert Indonesien 85 Prozent des weltweit verbrauchten Palmöls. Mit steigender Nachfrage wurde auch die Kritik an den Produktionsbedingungen immer heftiger. Für Plantagen wurden in den vergangenen Jahren Zehntausende Hektar Regenwald zerstört.

"Wasser predigen, Wein trinken"
Einige Produzenten stiegen auf einen nachhaltigen Palmölanbau um und kämpfen nun damit, dieses teurere Öl auch zu verkaufen. Für Produzenten ein deutliches Zeichen von Doppelmoral: Auf der einen Seite werde die Palmölindustrie kritisiert, auf der anderen Seite werde das billigere Öl gekauft, das der Umwelt schade.

"Wir haben die strengsten Kriterien für Nachhaltigkeit erfüllt. Die multinationalen Unternehmen, die auch Endabnehmer von Palmöl sind, sollten nicht Wasser predigen und Wein trinken", kritisiert Carl Bek-Nielsen, Vizepräsident von United Plantations, im Interview mit dem "Wall Street Journal".

Dieses Palmölunternehmen wurde vergangenen Herbst als erster nachhaltiger Produzent in Malaysia zertifiziert.

Zertifikat für "gutes" Palmöl
Seit Herbst 2008 können sich Palmölproduzenten mit dem Siegel der Organisation "Runder Tisch für nachhaltiges Palmöl" (RSPO) zertifizieren lassen. Voraussetzung ist die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards, wie etwa dass bei der Produktion kein neuer Regenwald zerstört, Anwohner und Tiere vertrieben werden.

Derzeit hat RSPO mit Palmölproduzenten, Umweltorganisationen, Händlern, Investoren und Industrievertretern mehr als 300 Mitglieder.

Skepsis bei Greenpeace
Greenpeace zeigte sich zunächst skeptisch gegenüber dem RSPO-Siegel und bezeichnete das als "Etikettenschwindel". Dieselbe Firma, United Plantation, von der die erste zertifizierte Öllieferung stammte, holze weiter Regenwald in Indonesien ab, trockne illegalerweise Torfböden und sei in Konflikte mit der Landbevölkerung verwickelt. Nach der Greenpeace-Kritik wurde der Kodex noch strikter. United Plantation wies die Vorwürfe zurück.

"Lippenbekenntnisse der Konzerne"
Große Konzerne wie Unilever, Nestle und Kraft Foods kündigten immer wieder an, Palmöl zu kaufen, das am wenigsten der Umwelt schadet. Unilever etwa möchte bis 2015 nur noch zertifiziertes Palmöl erwerben und ist selbst Mitgründer von RSPO. Die Realität sieht aber anders aus.

Die gesamten Produktionskapazitäten von RSPO-zertifizierten Produzenten in Malaysia, Indonesien und Papua-Neuguinea lagen im Mai bei mehr als 1,57 Millionen Tonnen. Seit der Ende 2008 gestarteten Zertifizierung wurden aber nur 15.000 Tonnen verkauft. Das ist etwas mehr als ein Prozent, wie Untersuchungen des WWF zeigen. Die Umweltorganisation sprach von "Lippenbekenntnissen der Konzerne".

Vorwürfe von Produzentenseite
Nicht alle Vertreter der Palmölproduzenten können sich allerdings mit den Aufforderungen, aus der Palmölproduktion auszusteigen oder zumindest nachhaltiger zu produzieren, anfreunden.

Der Vorsitzende der indonesischen Vereinigung der Palmölproduzenten, Joefly J. Bahroeny, etwa warf vor wenigen Wochen den westlichen Ländern vor, den Klimawandel als Ausrede zu benutzen, um die Palmölproduktion einzuschränken. "Es geht alles um das Geschäft. Palmöl wurde ein Konkurrent für Biotreibstoff und auch für fossile Brennstoffe, die von westlichen Interessen kontrolliert werden."

Produktion steigern
Indonesien denkt gar nicht an einen Ausstieg. Der weltgrößte Palmöllieferant will seine Produktion in den kommenden elf Jahren verdoppeln. Bis 2010 sollen bereits 40 Millionen Tonnen produziert werden.


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Issued by:  ORF Online

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Issue date:26. Juli 2009

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